Warburgstraße Hamburg: Wie versetzt man eine historische Fassade?

Autorin:
BAID Borchardt Architektur Interior Design GmbH, Hamburg (Herausgeber)
Veröffentlicht:
15. Sep 2026
Aktualisiert:
15. Sep 2026

An der Warburgstraße nahe dem Alsterufer hat BAID Architektur ein Wohngebäude mit 42 Einheiten geplant. Vor dem Neubau steht eine Fassade aus dem 19. Jahrhundert, die dafür abgetragen, eingelagert, aufgearbeitet und anschließend wieder errichtet wurde. Für Hamburg war das laut Pressemitteilung die erste Translozierung dieser Art.

Der Beitrag beschreibt das Verfahren und die Rahmendaten des Projekts, auf Grundlage der Pressemitteilung vom 3. Mai 2023.

Was bedeutet Translozierung?

Ein Bauteil wird an seinem Ort abgebaut und andernorts wieder aufgebaut. An der Warburgstraße geschah das am selben Ort, aber vor einem neuen Gebäude. Bei einer Fassade heißt das im Einzelnen:

  1. Die Fassade wird etagenweise in Segmente geschnitten. An der Warburgstraße waren die größten Teile bis zu 21 Meter lang und 5 Meter hoch.
  2. Die Segmente werden gesichert, transportiert und eingelagert.
  3. Während der Einlagerung entsteht der Neubau dahinter.
  4. Nach Fertigstellung wird die Fassade Stück für Stück wieder aufgerichtet und aufgearbeitet.

Woher stammt die Fassade?

Von zwei aneinandergebauten Vorgängerbauten aus den Jahren 1878 und 1889. Sie standen nicht unter Denkmalschutz. Bauherr und Architekturbüro entschieden sich dennoch für den Erhalt, die Stadt stimmte dem Entwurf zu. Die Architekten waren Hugo Stammann und Gustav Zinnow, die auch am Hamburger Rathaus mitgebaut haben.

Der Neubau hinter der Fassade ist als eigener Baukörper ausgebildet und tritt nicht in Konkurrenz zum historischen Bestand. Die Aufstockung um drei Etagen ist mit einer Glas-Aluminium-Fassade ausgeführt und oberhalb des Mauerwerks zurückgestaffelt.

Was steht hinter der Fassade?

Ein Gebäude mit hofseitig neun Vollgeschossen, baurechtlich damit als Hochhaus eingestuft, auf einem Grundstück von 1.200 Quadratmetern in Hamburg-Rotherbaum. Fertiggestellt wurde es 2019. Bauherr ist BPN-Bauplan Nord.

Die 42 Wohneinheiten decken eine große Spanne ab:

  • kompakte Apartments ab 40 Quadratmetern
  • Familienwohnungen zwischen 120 und 200 Quadratmetern
  • ein Penthouse mit rund 300 Quadratmetern

Bei sieben der 42 Einheiten hat BAID auch die Innenarchitektur federführend gestaltet.

Wie passen Eigentum und geförderter Wohnungsbau in ein Haus?

Sechs der 42 Wohnungen sind geförderter Wohnungsbau mit Mietbindung. Entscheidend ist, wie sie im Haus liegen: Sie wurden baulich gleichwertig zu den übrigen Einheiten konzipiert und unterscheiden sich beim Ausbau nicht.

Der Bauherr habe sich laut Pressemitteilung von Anfang an dazu bekannt, nicht ausschließlich gehobenen Wohnraum schaffen zu wollen.

Was hat es mit den „Weißen an der Alster“ auf sich?

So bezeichnet BAID die eigene Reihe von Projekten an der Außenalster. Aktuell sind es neun realisierte Gebäude. Die weiße Farbgebung ist keine Handschrift, sondern Vorgabe: Die Außenalsterverordnungen schreiben sie vor.

Wer hat woran mitgewirkt?

Rolle Beteiligte
Architektur, Innenarchitektur (7 Einheiten) BAID Architektur, Hamburg
Bauherr BPN-Bauplan Nord
Vorgängerbauten 1878/1889 Hugo Stammann, Gustav Zinnow
Projekt Mehrfamilienhaus
Leistungsphasen 1–5
BGF 8.700 m²
Fertigstellung 2019

Häufige Fragen

Was bedeutet Translozierung?

Ein Bauteil wird an seinem Ort abgebaut und andernorts wieder aufgebaut. An der Warburgstraße geschah das am selben Ort, aber vor einem neuen Gebäude: Die Fassade wurde etagenweise in Segmente geschnitten, gesichert, eingelagert und nach Fertigstellung des Neubaus wieder aufgerichtet und aufgearbeitet.

Wer hat das Gebäude an der Warburgstraße geplant?

BAID Architektur aus Hamburg hat das Wohngebäude mit 42 Einheiten geplant und bei sieben Einheiten auch die Innenarchitektur federführend gestaltet. Bauherr ist BPN-Bauplan Nord, fertiggestellt wurde das Gebäude 2019.

Woher stammt die historische Fassade an der Warburgstraße?

Von zwei aneinandergebauten Vorgängerbauten aus den Jahren 1878 und 1889. Die Architekten waren Hugo Stammann und Gustav Zinnow, die auch am Hamburger Rathaus mitgebaut haben. Die Bauten standen nicht unter Denkmalschutz, Bauherr und Architekturbüro entschieden sich dennoch für den Erhalt.

Wie groß sind die Wohnungen an der Warburgstraße?

Die 42 Wohneinheiten reichen von kompakten Apartments ab 40 Quadratmetern über Familienwohnungen zwischen 120 und 200 Quadratmetern bis zu einem Penthouse mit rund 300 Quadratmetern.

Wie passen Eigentum und geförderter Wohnungsbau in ein Haus?

Sechs der 42 Wohnungen sind geförderter Wohnungsbau mit Mietbindung. Sie wurden baulich gleichwertig zu den übrigen Einheiten konzipiert und unterscheiden sich beim Ausbau nicht.

Was sind die „Weißen an der Alster“?

So bezeichnet BAID die eigene Reihe von Projekten an der Außenalster. Aktuell sind es neun realisierte Gebäude. Die weiße Farbgebung ist keine Handschrift, sondern Vorgabe der Außenalsterverordnungen.

Quellen

  • Pressemitteilung „auf ALT setz NEU – Eigentum und geförderter Wohnungsbau in EINEM“, baid.de/warburgstrasse-presse, veröffentlicht 03.05.2023
  • Projektseite baid.de/warburgstrasse, abgerufen 27.08.2026 (Fertigstellung, BGF, Leistungsphasen)
  • Foto: © Martin Haag

Herausgeber: BAID Borchardt Architektur Interior Design GmbH, Hamburg